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Familienaufstellung in der Gruppe – was kann ich als Teilnehmer:in erleben?

8. Sept.
6 Min. Lesezeit

Eine Familienaufstellung in der Gruppe ist für viele Menschen zunächst schwer vorstellbar. Vielleicht hast du schon davon gehört, kennst jemanden, der an einer Aufstellung teilgenommen hat, oder beschäftigst dich selbst mit einem Thema, bei dem du gerne eine andere Perspektive einnehmen möchtest.


mindspace - Familienaufstellung Imst Sandra Agerer


Gleichzeitig entstehen häufig Fragen: Muss ich ein konkretes Anliegen mitbringen? Muss ich vor einer Gruppe über meine Familie sprechen? Was bedeutet es, Stellvertreter:in zu sein? Und kann ich auch teilnehmen, wenn ich zunächst einfach kennenlernen möchte, wie Aufstellungsarbeit in der Gruppe aussieht?

Eine Familienaufstellung in der Gruppe bietet die Möglichkeit, persönliche, familiäre, partnerschaftliche oder berufliche Situationen systemisch zu betrachten. Dabei geht es nicht darum, eine vermeintliche Wahrheit über andere Menschen herauszufinden. Vielmehr entsteht ein Rahmen, in dem eine Situation aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden kann.


Was ist eine Familienaufstellung in der Gruppe?

Familienaufstellungen gehören zu den Formen der systemischen Aufstellungsarbeit. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass wir Menschen nicht losgelöst von unseren Beziehungen und unserem sozialen Umfeld betrachten können.

Familie ist dabei ein wichtiger Bereich, aber nicht der einzige. Auch Partnerschaften, berufliche Konstellationen, Entscheidungen oder andere persönliche Fragestellungen können systemisch betrachtet werden.

In einer Gruppenaufstellung können Teilnehmer:innen stellvertretend Positionen innerhalb einer Aufstellung einnehmen. Diese werden häufig als Stellvertreter:innen oder Repräsentant:innen bezeichnet.

Dabei geht es nicht um Schauspiel und auch nicht darum, eine andere Person nachzuahmen.

Wahrnehmungen innerhalb einer Aufstellung werden nicht als Tatsachen über andere Personen verstanden. Sie sind Teil des jeweiligen Prozesses und können dazu beitragen, eine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.


Muss ich ein eigenes Thema mitbringen?

Nein.

Du kannst an einer Familienaufstellung in der Gruppe auch teilnehmen, ohne selbst ein Anliegen aufstellen zu wollen.

Gerade wenn du Aufstellungsarbeit bisher nur aus Erzählungen, Büchern oder den sozialen Medien kennst, kann eine Teilnahme in der Gruppe eine Möglichkeit sein, dir selbst einen Eindruck davon zu verschaffen.

Vielleicht weißt du bereits, welches Thema dich beschäftigt. Vielleicht möchtest du zunächst beobachten und kennenlernen. Oder du stellst während des Tages oder Abends fest, dass bestimmte Fragen für dich persönlich interessant werden.

Du musst das nicht im Vorfeld festlegen.

Die Teilnahme an einer Gruppenaufstellung bedeutet auch nicht automatisch, dass du selbst eine Aufstellung machen musst.


Welche Rolle haben Stellvertreter:innen?

Stellvertreter:innen beziehungsweise Repräsentant:innen sind Teil einer Gruppenaufstellung und können innerhalb eines Aufstellungsprozesses eine bestimmte Position einnehmen.

Dafür sind keine Vorkenntnisse notwendig.

Du musst die Person oder Situation, für die du eine Position einnimmst, nicht kennen und sollst auch nicht versuchen, dir vorzustellen, wie sich ein anderer Mensch vermutlich fühlen würde.

Im Vordergrund steht zunächst die eigene Wahrnehmung innerhalb der jeweiligen Situation.

Wichtig ist die klare Unterscheidung zwischen Wahrnehmung und Interpretation.

Eine Wahrnehmung eines Stellvertreters erlaubt keine allgemeingültige Aussage darüber, was eine andere Person tatsächlich denkt, fühlt oder beabsichtigt. Genau deshalb verstehe ich eine Aufstellung nicht als Instrument, um vermeintlich verborgene Wahrheiten über andere Menschen herauszufinden.


Was kann die Teilnahme in einer Gruppe für mich bedeuten?

Menschen erleben Gruppenaufstellungen sehr unterschiedlich.

Manchmal beschäftigt uns ein Thema, obwohl wir selbst gar nicht im Mittelpunkt der jeweiligen Aufstellung stehen. Eine Situation erinnert vielleicht an etwas aus dem eigenen Leben oder führt dazu, eine Beziehung oder Fragestellung aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Bei einer anderen Aufstellung entsteht möglicherweise überhaupt kein persönlicher Bezug.

Beides ist vollkommen in Ordnung.

Es gibt keine bestimmte Erkenntnis, die eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer aus einer Aufstellung mitnehmen muss.

Die Teilnahme kann vielmehr dazu anregen, eigene Themen, Beziehungen oder Entscheidungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Welche Bedeutung eine Erfahrung für dich persönlich bekommt, kannst nur du selbst entscheiden.


Eine Aufstellung ist keine objektive Wahrheit

Dieser Punkt ist mir in meiner Arbeit besonders wichtig.

Eine Familienaufstellung stellt keine objektive Wahrheit über eine Familie, eine Beziehung oder einen anderen Menschen dar.

Sie kann eine zusätzliche Perspektive auf eine persönliche Situation ermöglichen.

Das bedeutet auch, dass aus einer Aufstellung keine gesicherten Aussagen darüber abgeleitet werden können, warum sich ein anderer Mensch auf eine bestimmte Weise verhält, welche Gefühle er hat oder was in der Vergangenheit tatsächlich geschehen ist.

Für mich geht es deshalb nicht darum, mit einer Aufstellung eine endgültige Erklärung zu finden.

Vielmehr kann sie Fragen eröffnen, einen anderen Blickwinkel ermöglichen oder dazu anregen, die eigene Position innerhalb einer Situation neu zu betrachten.


Welche Themen können systemisch betrachtet werden?

Familienaufstellungen werden häufig mit Eltern, Kindern oder der Herkunftsfamilie verbunden. Tatsächlich können familiäre Beziehungen und Erfahrungen ein Anlass für eine Aufstellung sein.

Systemische Aufstellungsarbeit kann jedoch auch andere Lebensbereiche einbeziehen.

Dazu gehören beispielsweise Konflikte innerhalb einer Familie oder Partnerschaft, wiederkehrende Beziehungsthemen, persönliche Entscheidungen, Veränderungen und Übergänge sowie berufliche Fragestellungen oder Situationen innerhalb eines Unternehmens.

Auch körperliche oder emotionale Beschwerden können Anlass sein, die eigene Lebenssituation zusätzlich aus einer psychosozialen und systemischen Perspektive zu betrachten.

Dabei gilt eine klare Grenze: Eine Aufstellung dient nicht der medizinischen oder psychotherapeutischen Diagnose und ersetzt keine entsprechende Untersuchung oder Behandlung.

Gesundheitliche Beschwerden sollten fachlich abgeklärt werden. Eine systemische Betrachtung kann ergänzend Raum dafür geben, sich mit der eigenen Situation, Belastungen, Beziehungen und dem persönlichen Umgang damit auseinanderzusetzen.


Wie persönlich muss ich in einer Gruppenaufstellung werden?

So persönlich, wie es für dich stimmig ist.

Eine Gruppenaufstellung kann Themen berühren, die Menschen normalerweise nicht mit anderen teilen. Deshalb sind für mich Freiwilligkeit, Diskretion und ein respektvoller Umgang miteinander wesentliche Grundlagen der Arbeit.

Du entscheidest selbst, welche persönlichen Informationen du teilen möchtest und wie weit du dich innerhalb der Gruppe einbringen möchtest.

Auch eine Stellvertretung ist freiwillig.

Gerade bei persönlichen Themen sollte niemand das Gefühl haben, etwas erzählen, erklären oder tun zu müssen.


Kann ich mich auf eine Familienaufstellung vorbereiten?

Eine besondere Vorbereitung ist grundsätzlich nicht erforderlich.

Wenn du bereits ein konkretes familiäres Anliegen hast, kann es jedoch interessant sein, dich vorab mit deiner Familiengeschichte zu beschäftigen.

Eine Möglichkeit dafür ist die Genogramm- und Biographiearbeit.

Ein Genogramm stellt Personen, Beziehungen und wichtige Ereignisse innerhalb einer Familie strukturiert dar. Dadurch kann zunächst ein Überblick über verschiedene Generationen und die eigene Familiengeschichte entstehen.

Ich arbeite auch unabhängig von Familienaufstellungen mit Genogrammen und Biographiearbeit. Je nach persönlicher Fragestellung kann diese Beschäftigung eine sinnvolle Vorbereitung oder auch eine eigenständige Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sein.

Ein Genogramm ist jedoch keine Voraussetzung, um an einer Familienaufstellung teilzunehmen.


Familienaufstellung im Einzelsetting oder in der Gruppe?

Systemische Aufstellungsarbeit ist sowohl im Einzelsetting als auch in einer Gruppe möglich.

Welcher Rahmen passend ist, hängt unter anderem vom persönlichen Anliegen und davon ab, womit du dich selbst wohler fühlst.

Manche Menschen möchten ein sehr persönliches Thema zunächst in einem Einzeltermin betrachten. Andere möchten Aufstellungsarbeit gerade in einer Gruppe kennenlernen.

Deshalb muss die Entscheidung nicht danach getroffen werden, welches Format grundsätzlich „besser“ ist.

Wenn du dir unsicher bist, können wir vorab gemeinsam besprechen, welcher Rahmen für deine aktuelle Situation passend sein könnte.


Was passiert nach einer Familienaufstellung?

Auch hier gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Eine Aufstellung kann Gedanken oder Fragen anregen, die unmittelbar verständlich erscheinen. Andere Eindrücke bekommen möglicherweise erst später eine persönliche Bedeutung – oder auch gar keine.

Ich finde es deshalb wichtig, nach einer Aufstellung nicht sofort nach einer endgültigen Interpretation zu suchen.

Du musst aufgrund einer Aufstellung auch keine unmittelbaren Entscheidungen treffen oder Veränderungen vornehmen.

Wenn dich etwas im Anschluss weiter beschäftigt oder du deine Gedanken gemeinsam einordnen möchtest, besteht die Möglichkeit einer weiterführenden Begleitung.


Familienaufstellungen bei mindspace in Vorarlberg und Tirol

Bei mindspace begleite ich Menschen im Rahmen von Familienaufstellungen und systemischer Aufstellungsarbeit sowohl in Vorarlberg als auch in Tirol.

Meine Hauptpraxis befindet sich in Egg im Bregenzerwald. Zusätzlich bin ich regelmäßig mit Praxistagen in Imst für persönliche Termine vor Ort.

Familienaufstellungen und systemische Aufstellungen in der Gruppe finden regelmäßig in Egg im Bregenzerwald, Götzis, Imst sowie auf der Kronburg bei Zams im Bezirk Landeck statt.

Du kannst mit einer persönlichen Fragestellung kommen oder zunächst ohne eigenes Anliegen teilnehmen und die Aufstellungsarbeit kennenlernen.

Wenn du noch nicht weißt, ob eine Familienaufstellung oder ein anderes Angebot für deine Situation passend ist, können wir das vorab in einem persönlichen Gespräch klären.

Die aktuellen Termine für Familienaufstellungen in Vorarlberg und Tirol findest du auf meiner Veranstaltungsseite.



FAQ

Kann ich ohne eigenes Anliegen an einer Familienaufstellung teilnehmen?

Ja. Du kannst auch ohne eigene Aufstellung an einer Gruppenaufstellung teilnehmen und die Aufstellungsarbeit zunächst kennenlernen.

Was macht ein Stellvertreter bei einer Familienaufstellung?

Stellvertreter:innen nehmen innerhalb einer Aufstellung vorübergehend eine Position ein. Dabei geht es nicht um Schauspiel oder darum, eine andere Person zu imitieren.

Muss ich als Stellvertreter:in die betreffende Person kennen?

Nein. Du musst die Person, für die du stellvertretend eine Position einnimmst, nicht kennen.

Muss ich vor der Gruppe über meine Familie sprechen?

Nein. Du entscheidest selbst, welche persönlichen Informationen du innerhalb der Gruppe teilen möchtest.

Ist eine Familienaufstellung auch für berufliche Themen möglich?

Systemische Aufstellungen können neben familiären und partnerschaftlichen Anliegen auch berufliche Situationen, Entscheidungen oder Fragestellungen aus Unternehmen betrachten.

Ist das Ergebnis einer Familienaufstellung die Wahrheit über meine Familie?

Nein. Eine Aufstellung stellt keine objektive Wahrheit über andere Personen oder ein Familiensystem dar. Sie kann eine zusätzliche Perspektive auf eine Situation ermöglichen.

Muss ich vor einer Familienaufstellung ein Genogramm erstellen?

Nein. Ein Genogramm ist keine Voraussetzung. Je nach Anliegen kann die Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte jedoch eine hilfreiche Vorbereitung sein.

Wo bietet mindspace Familienaufstellungen an?

Familienaufstellungen und systemische Aufstellungen werden bei mindspace regelmäßig in Vorarlberg und Tirol angeboten. Die aktuellen Orte und Termine findest du auf der Veranstaltungsseite.


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